Ihr Kaktus-Modus im Alltag
- Tanja Alexa Holzer

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Kleine Kaktus-Philosophie: Was wir von den stachligen Königen mit Selbstreflexion lernen können. Kakteenliebe auf Lanzarote kann mit einem Schmunzeln lehrreich sein.

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Manchmal braucht es eine Vulkaninsel, um uns die Augen über unser eigenes Leben zu öffnen. Wenn Sie schon einmal auf Lanzarote waren, wissen Sie: Hier ist der Kaktus King. Er trotzt der kräftigen kanarischen Sonne nahe dem Äquator, dem ewigen Passatwind, und schenkt der kargen Landschaft eine majestätische Struktur.
Als ich meine Terrasse auf dieser wunderschönen Vulkaninsel gestaltete, war ich voller romantischer Ideen. Ein duftendes Kräuterbeet sollte es sein, ein Feigen- und ein Zitronenbaum, dazu ein bisschen Heimatgefühl mit Lavendel und einem Stachelbeerenbusch. Ich pflanzte, goss, hegte und pflegte.
Das Ergebnis? Ein dramatischer Kampf gegen die Elemente. Die Pflanzen wehrten sich gegen den peitschenden Wind, die chronische Trockenheit und die fiesen Läuse, die der Calima heranwehte. Mein gut gemeintes grünes Paradies kapitulierte. Alles starb.
Alles, bis auf die Kakteen. Sie stehen immer noch, unbeeindruckt und stolzer denn je. Sporadisch schenken sie mir herrliche, beinahe surreale Blüten. Sogar ein Kaktus, dem ich bereits eine Nachrufrede schreiben wollte, streckte sich unbeeindruckt zurück ins Leben.
Kleine Anmerkung: Ich lebe in Costa Teguise, etwa mittig an der Ostküste. Im Norden von Lanzarote hat es die Pflanzenwelt etwas leichter.
Kakteenliebe: Ihre Stärke, ihr Geheimnis
Dieses gärtnerische Scheitern hat mich zur Selbstreflexion angeregt. Warum blüht der Kaktus dort auf, wo anderes gnadenlos vergeht? Weil er genau weiß, was er braucht – und vor allem, was er nicht braucht.
Ihren Frieden: Kakteen hassen ständige Einmischung. Sie wollen nicht konstant betüddelt werden.
Sparsame Fürsorge: Ein Schluck Wasser alle paar Wochen reicht völlig. Zu viel emotionale oder reale »Bewässerung« lässt ihre Wurzeln faulen.
Ihren Raum: Sie fordern Platz ein, um sich zu entfalten, ohne sich an andere anzubiedern oder parasitär zu bedienen.
Besonders für ausgeprägt empathische Menschen und hochsensible Personen (HSP) liegt darin eine wunderbare Metapher. Wie oft versuchen wir, wie ein empfindlicher Lavendel in einem stürmischen Umfeld zu überleben? Wir verausgaben uns, versuchen es allen recht zu machen und wundern uns, wenn uns der »Wind des Lebens« umpustet.
Die Kakteenliebe lehrt uns: Es ist vollkommen okay, genügsam mit den äußeren Ressourcen umzugehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Die Körpersprache des Kaktus: Grenzen setzen für Fortgeschrittene
Dass ein Kaktus seinen Raum benötigt, kommuniziert er unmissverständlich durch seine Körpersprache: Er trägt Stacheln. Er sagt nicht höflich: »Bitte halten Sie Abstand«. Nein, er zeigt es einfach.
Wer schon einmal versucht hat, einen Kaktus umzutopfen, weiß, dass dies eine schmerzhafte Herausforderung sein kann. Meine persönliche Erfahrung auf den Kanarischen Inseln hat mich gelehrt: Sanfte Worte helfen hier nicht. Am ehesten schmerzfrei funktioniert es mit einer dicken Decke, mehrfach umschlungen, oder, mein Geheimtipp, mit einer stabilen Grillzange, kurz über dem Wurzelballen angesetzt.
Ist das nicht ein großartiges Bild für unsere eigenen Grenzen?
Die Kaktus-Weisheit: Grenzen sind nicht dazu da, andere zu verletzen. Ihr Sinn ist es, unser Inneres, unser weiches, wassergespeichertes Herz vor dem Austrocknen und vor Übergriffigkeit zu schützen.
3 Dinge, die ich von Kakteen auf Lanzarote gelernt habe
Wenn der Wind mal wieder pfeift und die Läuse des Alltags anrücken, atme ich tief durch, blicke auf meine Terrasse und sage mir:
1. Ruhig und gelassen bleiben
Der Kaktus stresst sich nicht. Er wächst langsam, aber beständig. Er wartet nicht darauf, dass die Umstände perfekt werden. Nein, denn er ist perfekt für die Umstände gemacht.
2. Genügsam mit der Energie sein
Wir müssen nicht jede Einladung annehmen, jedes Drama mitmachen oder ständig erreichbar sein. Schalten Sie in den Kaktus-Modus und haushalten Sie mit Ihren Kräften.
3. Sich über die Sonne freuen
Nutzen wir die schönen Momente, tanken Licht und Wärme auf, wo immer wir sie finden, physisch wie auch mental. Und wenn Ihnen jemand ungefragt zu nahetritt und Ihre Grenzen überschreitet? Dann dürfen Sie ruhig ein wenig stachelig sein.
Fazit: Entdecken Sie den Kaktus in sich
Wir müssen nicht immer die pflegeleichte, duftende Blume im Vorgarten sein. Manchmal ist es viel gesünder, in das Kleid eines stolzen Kaktus auf Lanzarote zu schlüpfen. Gelassenheit, eine gewisse Unberührbarkeit, widerstandsfähig, ein wenig eigenwillig und absolut authentisch.
Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Stacheln gezeigt, um Ihren inneren Frieden zu schützen? Ich lade Sie ein, heute ein wenig Kakteenliebe in Ihren Alltag zu integrieren.
Sonnige Grüße von der Vulkaninsel,
Tanja alias Wortfeger
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