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Brief einer Hochsensiblen an ihre extrovertierten Mitmenschen

Sehr persönliche Worte einer hochsensiblen, introvertierten Frau an Extrovertierte: über Nähe, Rückzug und das stille Bedürfnis, sich selbst nicht zu verlieren.


Blogartikel Brief einer introvertierten Hochsensiblen an ihre extrovertierten Mitmenschen - Wortfeger Atelier
Was ich als introvertierte HSP meinen extrovertierten Mitmenschen schon immer mal sagen wollte – und es erst jetzt kann.

Ihr lieben Extrovertierten,


ich möchte euch etwas sagen, das mir schon lange auf der Seele liegt.

Es ist nichts gegen euch. Im Gegenteil.


Ich sehe euch, eure Lebendigkeit, euer Lachen, eure Offenheit.

Ihr seid die, die Räume füllen, wenn andere sie verlassen.

Ihr verbindet Menschen, wo ich mich oft in die Stille zurückziehe.

Und ich bewundere das. Wirklich.


Über Jahrzehnte versuchte ich, so wie ihr zu sein.

Aber während ihr in Gesellschaft aufblüht, verliere ich langsam an Kraft.

Nicht, weil ihr zu viel seid.

Sondern, weil mein Nervensystem zu empfindsam ist für Dauerbetrieb.

Ich bin hochsensibel und introvertiert.


Das bedeutet, ich nehme mehr wahr: Geräusche, Gerüche, Spannungen, unausgesprochene Stimmungen.

Euer Reden, euer Lachen, euer Tempo – es rauscht in mich hinein, und am Ende bin ich leer.

Nicht beleidigt.

Nicht desinteressiert.

Nicht abweisend.

Nein, auch nicht arrogant.

Einfach leer.


Mein Rückzug ist kein Nein zu euch.

Er ist ein Ja zu mir.

Ein Versuch, mich selbst wieder zu spüren, nachdem zu viele Eindrücke auf mich eingeprasselt sind.


Ich weiß, das ist schwer zu verstehen, wenn man selbst Energie aus Begegnung zieht.

Ihr tankt Kraft im Außen. Ich im Innen.

Ihr atmet auf, wenn Menschen euch umgeben.

Ich atme auf, wenn niemand mehr etwas von mir will.


Man nennt das neurodivergent:

Mein Gehirn filtert Reize anders, tiefer, weniger selektiv.

Was euch vielleicht an mir anstrengend oder rätselhaft erscheint, ist für mich überlebensnotwendig.

Ich brauche Stille, damit ich nicht überlaufe.

Ich brauche Rückzug, um wieder leer zu werden, um mich wieder vollständig mit mir selbst zu füllen, damit ich euch später wieder ganz begegnen kann.


Ja, ich weiß, dass mein Schweigen euch manchmal irritiert.

Dass ihr euch fragt, ob ihr etwas falsch gemacht habt.

Aber bitte glaubt mir:

Ich gehe nicht weg, weil ich euch ablehne.

Ich gehe, weil ich bleiben möchte – innerlich.


Geht es mir nicht gut, rede ich nicht gerne darüber, sondern ordne und kläre mein Inneres in Stille.

Der Raum dafür ist lebensnotwendig, um meine Balance wiederzufinden und den Umgang mit der Herausforderung zu spüren.

Überhaupt fällt mir das Reden oft schwer.

Ich mag es lieber, reflektiert und aus der Ruhe zu schreiben.

Das Schreiben ist meine Art zu sprechen. Vielleicht erkennt sich jemand darin wieder?


Womöglich fragt ihr euch: Woher kommt das alles plötzlich?

Ich weiß bereits länger als mein halbes Leben, dass ich so funktioniere.

Anpassungsfähigkeit gehört zu den Stärken der Hochsensiblen.

Deshalb habt ihr das vermutlich nicht von mir gewusst.

Ich kann so scheinen, als würde ich wie ihr funktionieren.

Anpassung kostet viel Kraft.

Und die habe ich nach so langer Zeit nicht mehr.


Ich mag euch – aber in kleinen Dosen.

Ich mag Nähe – aber mit Raum zum Atmen.

Ich mag echte Verbindung – aber nicht permanenten Kontakt.


Mein Wunsch ist groß, dass ihr versteht:

Mein Rückzug ist kein Mangel an Zuneigung.

Er ist der Ort, an dem ich wieder authentisch fühlen kann.

Vielleicht erkennst du dich selbst irgendwo in diesen Zeilen wieder – egal, auf welcher Seite du stehst.

Denn letztlich geht es uns allen um das Gleiche: gesehen, verstanden und angenommen zu werden.


Danke für euer sprudelndes Sein in meinem Leben.

Danke, dass ihr mir Raum gebt, auch wenn ihr ihn selbst lieber füllt.

Danke, dass ihr mich nicht ändern wollt, sondern mich einfach lasst, wie ich bin.

 

In Stille verbunden und mit sonnigen Grüßen,

die introvertierte Hochsensible Tanja alias Wortfeger




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