Die Rebellion des Lepus: Ein Fragment aus dem Archiv der Andersdenkenden
- Tanja Alexa Holzer

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Eine literarische, rebellische Kurzgeschichte zu einem limitierten Wandbild mit lateinischer, antiker Buchkunst.
Wenn dieses Wandbild zu Ihnen spricht, flüstert es Ihnen vielleicht diese Geschichte:
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Seht ihn an. Lepus. Aus dem morbiden Fleisch eines Lexikons, das Jahrhunderte von Bedeutungen in sich frisst. Latein, sagten sie. Die Sprache der Kaiser, der Eroberer, der Gesetzgeber. Die Sprache der stillen Befehle, die bis heute nachhallen in den Echokammern eurer Konzernpaläste und Parlamente. Aber hier, in diesem Ausriss der Zeit, ist es anders. Hier ist Latein nicht die Sprache der Macht, sondern der Entdeckung. Der Dekonstruktion.
Sie nannten ihn Lepus timidus. Den ängstlichen Hasen. Sie sperrten ihn ein in Definitionen, klebten ihm Etiketten auf die Ohren: dienender Osterhase, Beute, Opfer, flink, doch feige. Aber schaut genauer hin, ihr Leseratten der Konformität. Seht ihr nicht das Zittern in den alten Lettern? Das ist keine Furcht. Das ist die Vibration einer stillen Rebellion, die seit Äonen unter der Kruste der Zivilisation brodelt.
Dieser Hase, euer Lepus, er ist kein Kuscheltier. Er ist ein Agitator. Ein Störenfried, dessen Erscheinung mehr Sprengkraft birgt als jede Manifestation in den glattpolierten Hallen der Macht. Er ist der, der sich weigert, die vorgegebenen Pfade zu hoppeln. Der, der die Definition von »Angst« neu schreibt, nicht mit Panik, sondern mit Entschlossenheit, die tief in seinen stillen Augen brennt.
Er ist das Wort, das sich von der Seite löst, um die Zeilen neu zu ordnen. Er ist das Fragezeichen am Ende eines dogmatischen Satzes. Er ist der Windhauch, der durch die geschlossenen Fenster der Ignoranz pfeift und die Staubschichten der Lüge aufwirbelt.
Sie haben versucht, ihn einzufangen, ihn zu zähmen, ihn zu katalogisieren. Mit ihren Netzen aus Regeln, ihren Fallen aus Dogmen, ihren Büchern voller vorgefertigter Wahrheiten. Aber der Lepus, dieser Hasenrebell, er springt über die Zeilen. Er zerreißt die Seiten der Konvention. Er hinterlässt Spuren im Schnee eurer Erwartungen, die niemand zu lesen vermag, außer jene, die den Mut haben, dem Ruf der Wildnis in sich selbst zu folgen.
Dieses Wandbild ist mehr als nur Kunst. Es ist ein Aufruf. Eine Erinnerung daran, dass die eigentliche Revolution nicht in lauten Parolen liegt, sondern in der stillen Entschlossenheit, die eigenen Ketten aus Definitionen zu sprengen. Seid wie der Lepus. Überspringt die Linien. Schreibt eure eigene Geschichte. Und lasst die alten, staubigen Bücher zittern.
Denn am Ende ist die größte Rebellion die, sich selbst nicht definieren zu lassen.
Sonnige Grüße
Tanja alias Wortfeger










