top of page
  • Wortfeger Atelier-Kanal auf Telegram

Wortfeger Atelier-Kanal auf Telegram mit Benefits:
News, Aktionen, gratis Handy-Wallpaper (Mi.), Sonntagsreflexionen & Persönliches aus meinem Inselleben.

Das Zittern des Feuers

Schicksal und Sicht einer helvetischen Frau 58 v. Chr.: Eine literarische Kurzgeschichte über Intuition und Wandel, passend zu limitierten Wandbildern der Serie »Schweizergeschichte«.


In alten Zeiten sitzt eine Helvetierin alleine  am Feuer und denkt nach über ihre Wanderung, Neuanfang und römische Legionen - Kurzgeschichte zum Nachdenken zu Wandbildern der Serie "Schweizergeschichte", inspiriert von Meinrad Lienert, Wortfeger Atelier
Schweizergeschichte: Wenn der Mann mutig in die Ferne und den Krieg zieht …

Inspiriert von Meinrad Lienerts »Erzählungen aus der Schweizergeschichte« ist diese kurze Erzählung Teil meiner Serie »Schweizergeschichten«. Meinrads Werk dient mir als kreativer Kompass für meine Wandbilder und eigenen Erzählungen.

 


Kurzgeschichte hören:


Lust auf Hören statt Lesen? Diese Geschichte wird von meiner digitalen Vorleserin Dalia präsentiert.

Am Ende dieses Beitrages hören Sie die Originalgeschichte »Diviko und Orgetorix« von Meinrad Lienert als ruhige Lesung.




Kurzgeschichte lesen:


Der Staub der hundert Karren legte sich wie ein grauer Schleier auf die Weiden am Genfersee. Vor ihnen glänzte die Rhone, kalt und unerbittlich, und dahinter erhoben sich die Erdwälle, die der römische Feldherr in den Boden gestampft hatte, als wolle er die Welt in zwei Hälften teilen.

Alrun saß am Feuer, eingehüllt in eine wärmende Wolldecke. Ihre Hände bewegten sich mechanisch, während sie Getreide zwischen zwei Steinen zerrieb. Das Geräusch war ein stetiges Knirschen, Knirschen, Knirschen. Ähnlich der Zeit, die ihre Hoffnung zermahlte.

 

Das Gespräch im Dämmerlicht

Ihr ältester Sohn, Luan, trat aus dem Schatten der Wagenburg. Er war zwölf. Ein Alter, in dem Jungen anfangen, die Welt mit den Augen der Männer zu sehen, hungrig nach Ehre, blind für das Blut.

»Mutter«, flüsterte er und setzte sich zu ihr. »Die Männer sagen, morgen wird die Brücke unser sein. Sie sagen, in den Ebenen der Santonen wird der Boden so schwarz und fett sein, dass das Korn von alleine wächst.«

Alrun hielt inne. Sie spürte den Blick ihres Mannes am Nachbarfeuer. Er polierte sein Schwert, die Augen fest auf die römischen Schanzen gerichtet. Er glaubte an das neue Land. Er musste es, denn er hatte ihr gemeinsames Haus in den Bergen selbst angezündet.

»Das Land dort ist weit, Luan«, sagte sie leise. Ihre Stimme klang wie trockenes Laub.

»Wirst du dort wieder singen?«, fragte der Junge. »Du hast seit dem Tag, an dem der Rauch über unserem Dorf aufstieg, kein Lied mehr angestimmt.«

 

Die verbotene Wahrheit

Alrun blickte auf ihre vier kleineren Kinder, die in die Felle gewickelt im Wagen schliefen. Sie wollte sagen: Wir sind keine Siedler mehr, wir sind Beute. Sie wollte sagen: Dieser Cäsar baut keine Wälle, um uns aufzuhalten, sondern um uns zu prüfen. Aber ein falsches Wort wäre Verrat an der Zuversicht des Volkes gewesen.

»Ich bewahre meine Lieder für die Stille auf«, antwortete sie stattdessen und strich ihm über das Haar. »Weißt du, Luan, die Götter gaben den Vögeln Flügel, damit sie fliegen können. Aber sie gaben den Menschen Wurzeln. Wir haben unsere Wurzeln verbrannt und versuchen nun, wie Vögel zu sein. Doch wir tragen die Last der Steine in unseren Herzen.«

Luan runzelte die Stirn. »Aber wir sind stark. Wir sind die Helvetier.«

 

Die Weisheit des Augenblicks

Sie sah zu den römischen Wachtürmen hinüber. Die Feuer dort drüben brannten in perfekter Ordnung, mathematisch, drohend.

»Hör mir zu«, sagte sie, und ihre Stimme wurde so tief, dass sie fast im Boden verschwand. »Stärke ist nicht immer das Schwert, das zusticht. Manchmal ist Stärke das Wasser, das am Felsen vorbeifließt. Die Männer schauen auf die Mauern aus Holz und Erde. Ich aber schaue auf den Fluss. Die Rhone fragt nicht nach Cäsar oder nach unserem letzten König Orgetorix. Sie fließt einfach. Morgen, wenn der Lärm beginnt, versprich mir eines: Suche nicht den Sieg. Suche den Weg, der deine Geschwister am Leben hält. Das Leben ist das einzige Land, das es wert ist, besiedelt zu werden.«

 

Das Ende der Stille

In diesem Moment trat ihr Mann ans Feuer. Das Licht der Flammen tanzte auf seiner Klinge. »Morgen ist der Weg frei, und wir auch«, sagte er stolz und legte Alrun eine Hand auf die Schulter. Seine Hand war schwer von Gewissheit.

Alrun sah ihn an, lächelte das Lächeln einer Frau, die tausend Geheimnisse hütet, und neigte den Kopf. »Morgen«, sagte sie, »wird die Erde wissen, wer wir sind.«

Im Morgengrauen spürte sie das Zittern des Bodens. Es war nicht die Erde. Es war der Marschtritt der Legionen, die entschlossen gegen sie zogen. Sie schloss die Augen und begann im Geist ein Lied zu weben; nicht für den Sieg, sondern für das Überleben derer, die nach dem Staub kommen würden.

 

 

Sonnige Grüße

Tanja alias Wortfeger


»Diviko und Orgetorix« von Meinrad Lienert als ruhige Lesung hören:

Dieser Originaltext aus »Erzählungen aus der Schweizer Geschichte« (in antiker Buchform) war meine Inspiration für die Wandbilder und meine eigene Geschichte.




Wandbild mit einer Frau, die eingehüllt in eine Decke am Lagerfeuer sitzt und nachdenkt, im dunklen Hintergrund ein Auszug aus dem antiken Buch von Meinrad Lienert "Erzählungen aus der Schweizer Geschichte", limitiert, Wortfeger Atelier

Zittern des Feuers limitiertes Wandbild zu dieser Geschichte


Nur 10 Exemplare, mit antiken Textelementen aus dem Original von Meinrad Lienert. Details ansehen:



Divikos Wanderschaft | Wandbild mit antikem Buchdesign | Schweizer Geschichte
€136.00
Jetzt kaufen
Divikos Kampf | Wandbild mit antikem Buchdesign | Schweizer Geschichte
€136.00
Jetzt kaufen

bottom of page