Philosophische Eselgedanken
- Tanja Alexa Holzer

- 27. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Die Leichtigkeit des Seins auf Lanzarote, verpackt in eine literarische Kurzgeschichte zur Reizwortaufgabe aus dem interaktiven Schreibjournal »Lanzarote – 30 Reizwortaufgaben mit Bildern der Vulkaninsel«.

Fünf Wörter, eine Aufgabe, und schon spannt sich eine neue Welt auf. Die heutige Reizwortaufgabe stammt aus dem Buch »Lanzarote – 30 Reizwortaufgaben mit Bildern der Vulkaninsel«.
Die Herausforderung? Eine Geschichte zu weben, in der die Begriffe Treppe, verlassen, Esel, Sand und leise enthalten sind. Hier ist mein Ergebnis:
Kurzgeschichte hören:
Lust auf Hören statt Lesen? Diese Geschichte wird von meiner digitalen Vorleserin Dalia präsentiert. Ich lese sie nicht selbst vor, da mein Schweizer Akzent ablenken könnte.
Man sagt uns Eseln ja gerne eine gewisse Sturheit nach. Ein kolossales Missverständnis der zweibeinigen Philosophie. Was der Mensch »starrsinnig« nennt, ist in Wahrheit schlichte, tiefgründige Kontemplation. Und wo ließe es sich besser kontemplieren als hier, wo die Steine schwarz sind und der Wind Geschichten aus Afrika flüstert?
Hier stehe ich nun, Doña Agata, eine Esel-Dame von erlesenem Intellekt und mit weißem Bauchfell, und blicke auf den Inbegriff menschlicher Ambition: eine Treppe.
Sie führt mitten im Nirgendwo eine staubige, steinige Anhöhe hinauf, ohne erkennbares Ziel. Ein typisch menschliches Konstrukt. Warum Stufen steigen, wenn der Horizont auch auf Augenhöhe perfekt flach ist? Die Zweibeiner, die dieses Konstrukt einst erbauten, haben diesen Ort längst verlassen. Sie bauten, sie hofften, sie zogen weiter. Zurück blieb die Stille, die sich wie ein warmer Mantel um die erstarrte Lava legt.
Ich hebe den Huf. Leise, fast ehrfürchtig, setze ich ihn auf die erste Stufe. Nicht, weil ich nach oben will. Sondern um den Kontrast zu spüren. Unter meinen Hufen knirscht normalerweise die Weichheit der Insel: Staub oder feiner, goldener Sand, der vom Passatwind herbeigetragen wurde und sich sanft mit den dunklen Lavasteinen vermählt. Sand ist geduldig. Er formt sich neu, jeden Tag. Er stellt keine Fragen. Eine Treppe dagegen verlangt eine Entscheidung.
Ich entscheide mich fürs Bleiben. Unten.
Ein Tourist wandert vorbei, blickt von seinem Smartphone auf, sieht mich – eine philosophierende Esel-Dame im sanften Abendlicht – und murmelt etwas von »malerischer Kulisse«. Ich schenke ihm einen Blick aus meinen klugen, dunklen Augen, der Bände spricht. Wenn er nur wüsste, dass der wahre Reichtum nicht im Suchen liegt, sondern im Finden des Moments.
Vielleicht sollte er mal in sich gehen. Oder ein gutes Schreibjournal zur Hand nehmen, um diese Gedanken zu ordnen. Ich habe da so ein Gefühl, dass es im Wortfeger-Universum genau das Richtige dafür gibt, um das kreative Feuer zu entfachen. Aber gut, ich bin nur eine Esel-Dame. Was weiß ich schon von digitaler Inspiration?
Ich drehe mich um, lasse die Treppe eine Treppe sein und folge dem Ruf des Windes zurück in den Staub und Sand.
Sonnige Grüße
Tanja alias Wortfeger
Geschichte selbst schreiben
Versuchen Sie es selbst. Schreiben Sie eine Kurzgeschichte mit den Wörtern:
Treppe, verlassen, Esel, Sand und leise.
Lanzarote
Schreib mich! Wenn du kannst.
Digitales, interaktives Schreibbuch mit 30 Reizwortaufgaben und Fotos der kanarischen Vulkaninsel.
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