Von Kistenfundstücken und Kamelhaarmänteln
- Tanja Alexa Holzer

- vor 11 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Meine literarische Reise mit der »Lesen!«-Moderatorin Elke Heidenreich.

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Als ehemalige Gebraucht- und Antikbuchhändlerin kenne ich das Glück des unvorhergesehenen Fundes sehr gut. Man steht vor einer verstaubten Kiste, den Kopf voll neugieriger Vorfreude, und zieht ein dünnes Bändchen hervor. In meinem Fall war es ein Buch, das mein Leseleben nachhaltig verändern sollte: »Erika, oder der verborgene Sinn des Lebens«. Ein absolut herrliches Büchlein, das mir vor einigen Jahren in meiner Schweizer Heimat in mein Lager schneite und das ich seither mehrmals verschenkte. Es steht heute noch in meiner Lanzarote-Bibliothek.
»Erika« war meine erste Begegnung mit dem unnachahmlichen, bildhaften Schreibstil von Elke Heidenreich. Und wie es so ist mit der literarischen Faszination auf den ersten Blick: Das Verlangen nach mehr war geboren.
Heidenreich besitzt die seltene Gabe, das große Ganze im herrlich Kleinen zu finden und es uns mit einem erfrischenden, klugen Humor zu servieren. Wer einmal ihren Zeilen verfällt, bleibt, um es im Jargon der unverbesserlichen Bücher-Enthusiasten auszudrücken, unweigerlich »angefixt«.
Ein Streifzug durch ein facettenreiches Leseleben
Nach Erika zog das kleine, feine Buch »Frau Dr. Moormann & ich« in meine Gedankenwelt ein. Diese köstliche Amüsiergala bewies erneut, dass Heidenreichs Beobachtungsgabe so scharf wie Chili und gleichzeitig so sanft wie ein literarischer Trost sein kann.
Mit literarischem Hunger griff ich fast automatisch zu ihrem damals neusten Werk: »Altern«. Ein Buch, das zeigt, wie man mit Grandezza, Mut und vor allem ohne falsches Pathos auf die gelebten Jahre blickt. Heidenreich seziert das Älterwerden nicht, sie feiert es. Mit all seinen Falten, Brüchen und Weisheiten.
Sie liest, um zu leben, und lebt, um zu lesen. Elke Heidenreich erinnert uns in jedem ihrer Werke daran, dass Bücher keine toten Seiten sind, sondern lebendige Begleiter.
Was mich an ihren Texten besonders fasziniert, ist ihre bereichernde Angewohnheit, bedeutende und kleinere Werke der Weltliteratur spielerisch in ihre eigenen Erzählungen einzuflechten. Man spürt wohl in jedem Werk die leidenschaftliche, ehemalige Moderatorin der Kult-Sendung »Lesen!«, obwohl ich (als Schweizerin) ihre Sendung niemals sah, wie ich gestehen muss. Heidenreich empfiehlt nicht einfach, sie teilt ihre Leseseele mit uns.
Mit offenen Augen durch die Welt und die Opernsäle
In diesem Jahr durfte ich sie auf einer literarischen Reise begleiten. In »Ihr glücklichen Augen« nimmt uns die Autorin mit um den Globus. Und hinein in unzählige Opernsäle. Es ist eine Hymne an das Reisen, an das genaue Hinschauen und an die Musik. Wer dieses Buch liest, hört förmlich das Stimmen der Instrumente im Orchestergraben und spürt das Prickeln vor dem Heben des samtigen Vorhangs.
Gleich darauf folgte »Hier geht's lang«, eine explizite Einladung, Elke Heidenreich durch ihr eigenes Leseleben zu folgen. Es ist eine literarische Schatzkarte, die in den 1950er- und 1960er-Jahren ansetzt und uns bis zu den gigantischen Namen der weiblichen Literatur führt. Für jedes Leserinnenherz ist dieses Werk pure Inspiration und eine charmante Mahnung, dass der eigene Wunschzettel dringend erweitert werden muss.
Modisch-literarisch mit Kamelhaar
Der aktuell letzte Coup meiner Heidenreich-Eskapade bildete jüngst das Hörbuch »Männer in Kamelhaarmänteln«. Von ihr selbst mit dieser unverwechselbaren, rauchig-klugen Stimme gelesen, entfaltet sich eine amüsante Reise durch die Welt der Mode und der menschlichen Eitelkeiten. Darin wird deutlich, dass Kleidung viel mehr ist als bloßer Stoff. Sie ist erzählte Biografie, getragene Literatur und manchmal eben ein überraschender Humorgarant.
Mein Fazit: Warum wir Elke Heidenreichs Bücher lesen müssen
Elke Heidenreichs unerschöpfliche Vielseitigkeit fasziniert, mit jedem Werk neu. Ihre Bücher sind kulturell wertvoll, ohne je akademisch trocken oder belehrend zu wirken. Sie schreibt locker, ohne jemals seicht zu sein, und schenkt uns eine literarische Leichtigkeit, die mit einem feinen Augenzwinkern daherkommt.
Sollten Sie also noch auf der Suche nach Ihrer nächsten literarischen Entdeckung oder einer treuen Begleiterin für die Abendstunden sein: Greifen Sie zu Heidenreich. Und wer weiß, vielleicht zieht das nächste Buchglück aus einer alten Kiste auch Sie unverhofft in neue Lesebahnen.
Sonnige Grüße
Tanja alias Wortfeger
Was haben Sie bis jetzt von Elke Heidenreich gelesen? Und welches ihrer Werke mochten sie am liebsten? Ich freue mich über Ihren Kommentar.





